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Lektoratsleiter Edmund Lorey im Gespräch

Mancher wird Lektor aus Passion – und mancher aus Zufall. Wie Edmund Lorey etwa. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst ein Theologiestudium und eine praktische Ausbildung zum Pfarrer. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass es mich dann doch eher in die Wissenschaft zog“, so Lorey. An der Universität in Osnabrück bekam er schließlich eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter und begann dort seine Dissertation und zusätzlich ein Studium in Germanistik und Philosophie für das Lehramt.  Wie es der Zufall wollte, wurde seine Stelle an der Universität Osnabrück gestrichen: „Meine Dissertation legte ich somit auf Eis und dachte gut gerüstet zu sein fürs Lehramt.“. Doch zusätzlich hatte die Bezirksregierung einen Einstellungsstopp für Gymnasiallehrer verordnet. Für Edmund Lorey war klar – eine Alternative musste her. Bei der Neuen Osnabrücker Zeitung fand er schließlich eine Anstellung als Lektor. Nun arbeitet Edmund Lorey seit fast 28 Jahren für die Neue Osnabrücker Zeitung, seit Mai 2008 wurde ihm die Leitung der Abteilung übertragen. Gemeinsam mit seinen vier Kollegen bearbeiten sie täglich rund 100 Seiten. Wir haben ihm deshalb einige Fragen zu seiner Arbeit und seinem Alltag zwischen den Zeilen gestellt.

Sie arbeiten seit fast 28 Jahren als Lektor bei der Neuen Osnabrücker Zeitung und sind immer noch sehr begeistert bei der Sache bzw. bei den Wörtern. Wir sieht Ihre Arbeitsalltag aus?

Das ist vom Prinzip her sehr simpel. Die Redakteure schreiben ihre Texte, stellen sie im Dialogsystem auf den Status „Bereit zur Korrektur“, wir prüfen die Texte auf Orthografie, Grammatik, Ausdruck und inhaltliche Richtigkeit. Sollte uns etwas nicht richtig erscheinen und wir den Fehler trotz Internets nicht selbst beheben können, nehmen wir mit dem betreffenden Redakteur Kontakt auf, um den Inhalt zu klären. Dabei korrigieren wir gleich im System.

Was fasziniert Sie so sehr an der deutschen Sprache? Woher kommt Ihre Begeisterung dafür?

Ich war auf einem neusprachlichen Gymnasium. Vielleicht hatte ich immer gute Deutschlehrer, aber das Fach hat mir schon immer sehr viel Spaß bereitet. Und dass die Lehrer sehr viel Wert auch auf die Grammatik gelegt haben, kam mir später sehr zugute, denn für mein Theologiestudium musste ich mein Latinum, Alt-Griechisch und Hebräisch nachholen. Zudem hat man durch die vielen Rechtschreibreformen gesehen, dass Sprache etwas sehr Lebendiges ist. Leider hat diese aber auch zur Folge, dass viele Menschen jetzt gar nicht mehr wissen, wie was geschrieben wird. Wie oft rufen mich Leser an, um sich über vermeintliche Fehler zu beschweren. Oft muss ich ihnen dann aber sagen, dass man „Delfin“ schreibt eben etzt mit „f“, „rau“ ohne „h“ und Schifffahrt eben mit drei „f“ schreibt. Oder denken Sie daran, dass es früher ein Unding war, wegen mit dem Dativ zu benutzen. Man muss es nur lange genug falsch machen, dann setzt sich das irgendwann durch, auch wenn es umgangssprachlich bleibt.

Weshalb ist das professionelle Lektorat aus Ihrer Sicht weiterhin unverzichtbar?

Es ist sehr wichtig, dass eine Tageszeitung professionelle Leute braucht, die sich eben hauptsächlich darum kümmern, dass die Texte fehlerfrei am nächsten Tag in der Zeitung stehen. Leider, und das muss ich gestehen, gelingt uns das auch nicht immer, denn schließlich sind wir keine Roboter. Doch bei der Masse an Texten, die jeden Tag von mir und meinem Team bearbeitet werden, ist die Fehlerrate eigentlich sehr gering. Ein Kollege aus der Redaktion sagte einmal: „Wir Redakteure können einen noch so spannenden Artikel geschrieben haben, aber wenn der Leser am Anfang schon auf Fehler stößt, liest er den Artikel gar nicht mehr weiter.“

Sind Sie auch für die digitalen Inhalte zuständig? 

Nein, dazu sind wir zu wenige, das schaffen wir zeitlich nicht. Die Redakteure haben sehr viele Kanäle zu bedienen. Das würde den Rahmen sprengen.

Geändert hat sich darüber hinaus auch definitiv die Rechtschreibung. Wie halten Sie sich hier auf dem Laufenden? 

Nein, so etwas gibt es bei uns nicht, das ist einfach Auswendiglernen. Da wir alle in einem Raum sitzen, arbeiten wir auch sehr eng zusammen. Bei komplizierten Satzstrukturen werden alle Kollegen zurate gezogen, und man lernt jeden Tag neu dazu. Dazu kommt, dass alle Kollegen in meiner Abteilung schon mehr als 20 Jahre dabei sind. Da hat man mit der Zeit eine gewisse Routine, ohne die unsere Arbeit nicht zu leisten wäre.

Was sind denn die häufigsten Fragen der Kollegen bzgl. der Rechtschreibung?

Das geht querbeet, z. B. Formulierungen bei Überschriften oder bei unklaren Sachverhalten. Wenn ein Redakteur eine Frage hat, ruft er an und bekommt eine Antwort. Das ist mein Job. Das sieht jeder von uns so.

Gibt es im Lektorat ein internes Ranking nach dem Motto: „Wer macht die meisten Fehler?“

Nein, so etwas gibt es nicht, und das wäre ja schrecklich. Ich verstehe unsere Arbeit als Service für die Redaktion und damit unmittelbar auch für den Leser. Wir sind sozusagen die ersten Leser, und jeder gibt sein Bestes, damit ein Artikel fehlerfrei und gut lesbar am nächsten Morgen in der Zeitung steht. Jeder arbeitet an der Qualität.

Wie kann man sich denn die Beziehung zwischen Redakteur und Lektor vorstellen? Kommt es da auch mal zu Empfindlichkeiten?

Die Redakteure haben großes Vertrauen in uns. Stellen Sie sich mal vor, Sie haben einen Text geschrieben und jemand anderes korrigiert darin rum. Sie haben nach der Korrektur keine Zeit, diesen Artikel noch mal durchzulesen, und am nächsten Tag erscheint dieser Artikel mit Ihrem Namen. Da muss man sich schon sehr aufeinander verlassen können. Wir sind da ein sehr eingespieltes Team. Und für Empfindlichkeiten hat niemand von uns Zeit.

Jede Zeitung enthält verschiedene Ressorts. Haben Sie besondere Vorzüge oder gar private Lektoratsleidenschaften?

Bei uns sucht sich keiner aus, was er gerne liest oder was nicht. Alle Kollegen haben verschiedene Anfangszeiten, und daran sind die Ressorts gekoppelt, die jeder zu bearbeiten hat. Einer übernimmt die Außenbezirke Bersenbrück, Bramsche, Melle, Wittlage, Meppen, Lingen und Papenburg, einer den Mantelteil usw.

Durch Ihre jahrelange Tätigkeit als Lektor haben Sie sich sicherlich ein immenses Wissen angeeignet bzw. angelesen. Haben Sie mal darüber nachgedacht, an einer Quizsendung teilzunehmen?

Man liest viel, aber man behält nicht alles. Dennoch ist das Allgemeinwissen bei jedem von uns schon recht groß. Jeder hat allein schon durchs Studium ein anderes Spezialgebiet. Der eine kann hierauf eine Antwort geben, der andere auf eine andere Frage. Zusammen würden wir bei einer Quizsendung aber sicherlich sehr weit kommen!

Können Sie privat noch lesen, oder haben Sie dann auch die Brille des Lektors auf?

Diese Brille kann man leider nie ganz ablegen, und ein Buch, das noch viele Fehler aufweist, wird von mir direkt zur Seite gelegt. Aber bei der privaten Lektüre bin ich schon etwas großzügiger, was Fehler angeht.

Falls neben all der Arbeit zwischen den Seiten noch die Muße für privates Lesen bleibt – haben Sie als Experte aktuelle Buchempfehlungen?

Zuletzt habe ich das Buch von Hamed Abdel-Samad, Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland, gelesen. Aber auch das Buch von Jennifer Teege, Amon fand ich sehr spannend. Da ich mich in letzter Zeit aber mehr um meinen vierjährigen Enkel kümmern muss, beschränkt sich meine Literatur mehr auf „Feuerwehrmann Sam“ und „Bob der Baumeister“.